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NEUES SEHEN, ÜBERRASCHENDES ERLEBEN – ERFOLGREICHE BILANZ DER SOMMERSZENE 2018 „Der Zuspruch des Publikums war insbesondere bei den Stücken, die sich Themen des aktuellen gesellschaftspolitischen Diskurses gewählt haben, besonders groß. Man spürt das Interesse an Arbeiten, die gleichzeitig neue und prononciertere künstlerische Positionen beziehen. Ein Festival kann nie eindeutige Antworten auf globale Fragestellungen geben, aber neue Wege der Auseinandersetzung aufzeigen. Dass es zusätzlich gelungen ist, umjubelte Produktionen von Mette Ingvartsen, Eko Supriyanto oder Marta Górnicka erstmals in Österreich zu zeigen, freut mich dabei besonders“, zieht Intendantin Angela Glechner die erfolgreiche Bilanz.

in diesem Jahr die 13 Produktionen der diesjährigen Sommerszene besucht. Mit mehr als 7000 Besucher_innen entwickelte sich „Of All The People In All The World“ in der Kollegienkirche zum Publikumsmagneten des Festivals: Auf poetische wie sinnliche Weise vermochte das britische Künstlerkollektiv Stan‘s Cafe das Unvorstellbare vorstellbar zu machen, indem sie globale und regionale Statistiken und tagesaktuelle Ereignisse in einer mehrteiligen Installation aus fünf Tonnen Reis umsetzte. Teil des Projekts ist die ethisch korrekte Weiterverwendung des Reises, die Sommerszene spendet ihn daher an VIEW (Verein Initiative Ethisch Wirtschaften).

Aber auch die gezeigten künstlerischen Positionen zum Gender- und Geschlechterdiskurs wurden vom Publikum mit aufmerksamen Interesse wahrgenommen: Mette Ingvartsen eröffnete die Sommerszene mit ihrer konzentrierten wie energiegeladenen Choreographie „to come (extended)“ und erzählte auch in ihrem Solo „21 pornographies“ eindrucksvoll von der Sexualisierung der Gesellschaft und der Macht der damit einhergehenden Bilder, Normen und Maßstäbe, die ins tief Private reicht. Dem Aufbrechen tradierter Geschlechterrollen widmeten die fünf jungen Tänzerinnen in Eko Supriyantos „Balabala” mit eindringlicher Präsenz ihre Interpretation traditionell Männern vorbehaltener Kriegs- und Kampftänze ihrer Heimat. Ebenfalls erstmals in Österreich präsentierte Marta Górnicka mit „Magnificat“ ihr Manifest gegen Geschlechter-Stereotypen und -Klischees. Sie ließ mit einem Chor von 23 Frauen einen Soundtrack für das Aufbegehren von gleichermaßen poetischer wie politischer Kraft entstehen. Queeren Positionen und lustvollen Interpretationen widmete sich Georg Klüver-Pfandtner mit seiner Installation „(empty) space – Vom Leben, der Verzweiflung“ ebenso wie Gérald Kurdians „HOT BODIES – STAND UP“ über sexuelle Revolutionen im 20. und 21. Jahrhundert.

Nicht nur diese Vorstellungen zeugten verstärkt von Interesse an zeitgenössischen Möglichkeitsformen, auch die Einladung zur vertiefenden Auseinandersetzung mit diskursiven Lectures namhafter Wissenschafter_innen sowie ergänzenden Einführungsvorträgen und Artist Talks wurde mit großer Resonanz angenommen.

„Zentrales Anliegen war es mir aber auch diesmal, mit Arbeiten lokaler Künstler_innen auf die vielfältige Szene vor Ort aufmerksam zu machen,“ betont Intendantin Angela Glechner. Wenig beachtete Orte abseits der touristischen Pfade konnte man bei der Stadterkundungstour „Stranger Home“ des Salzburger Künstlerkollektivs gold extra entdecken, das unterhaltsam Wissen und Orientierungssinn auf den Prüfstand stellte. Die bewährte Kooperation mit SEAD wurde fortgesetzt, die Salzburg Experimental Academy of Dance öffnete ihre Räumlichkeiten im Rahmen von „100 invasions … bodies matter“ für ein Fest des Tanzes. Weiters lud die in Salzburg lebende indische Choreographin Nayana Keshava Bhat mit „Room of Inevitable End” zu einer theatralischen, performativen wie komödiantischen Reise zwischen Traum und Erinnerung.

Ihren Blick über die Stadt und in die Zukunft richten konnten die Besucher_Innen bei Andy Fields „Lookout“ auf der Festung Hohensalzburg im Gespräch mit Kindern, die Möglichkeiten für eine lebenswerten urbanen Raum aufzeigten. „Gastspiele von Vertreter_innen einer jüngeren international tätigen Performance-Generation wie des Briten Andy Field, aber auch der belgischen Performerin Sarah Vanhee oder des österreichisch-spanischen Künstlerduos Laia Fabre und Thomas Kasebacher von notfoundyet, die bereits in den vergangenen Jahren das Salzburger Publikum für sich einzunehmen verstanden, haben einmal mehr auf kluge und gewitzte Weise die Grenzen gesellschaftlicher und sozialer Codierungen ausgelotet,“ so Glechner.

Begleitet wurde das gesamte Programm in diesem Jahr vom Wiener Künstler Julius Deutschbauer, der in seinem Blog, nachzulesen hier, auf alle Veranstaltungen mit pointierten Texten und literarischen Querverweisen aus seiner aus 120 Büchern bestehenden Festival-Bibliothek reagierte.

Auch SZENE-Vorstand Peter Hofer zieht begeistert Bilanz: „Gerade mal sagte ein Freund zu mir: ‚Früher war alles besser: Da konnte man noch Neues sehen. Überraschendes erleben. Sich herrlich aufregen. Sich wunderbar provozieren lassen. Und staunen.‘ Die heurige Sommerszene liefert den Beweis, dass er falsch liegt. Angela Glechner ist in diesem Sommer etwas Bemerkenswertes gelungen: Sie hat uns abgebrühten Kulturkonsumenten wieder einmal Staunen ins Gesicht gezaubert. Danke!“

Die Sommerszene 2019 findet von 14. bis 29. Juni statt.

Mit der Solo-Performance „HOT BODIES – STAND UP“ des französischen Musikers und Performers Gérald Kurdian geht die heurige Sommerszene am Samstag ins Finale: Kurdian erzählt in seiner Collage der Materialien, Formate und Genres mit elektronischer Live-Musik, performativem Spiel, Video und Dokumentation vom Antihelden Tarek X und dessen Begegnungen auf dem Weg durch die sexuellen Revolutionen des 20. und 21. Jahrhunderts.

Im Anschluss kann bei „A QUEER BALL FOR HOT BODIES OF THE FUTURE!“ weitergefeiert werden.

 

22-00h
Cherry Sunkist (DJ SET)

00-00h30
Videos Discozma
Mario Lackner Karaoke

00h30-1h30
DJ p.K.one (DJ Set)

1h30-3h
Didi Neidhart/Low Profiler (DJ Set)

Samstag, 16. Juni, 21 Uhr, republic
Ticketinfo: 0662/843448-25, Party ab 22 Uhr bei freiem Eintritt!

100 invasions…bodies matter

Die renommierte Tanzakademie SEAD lädt zu einem Par-cours, der die inhaltliche und ästhetische Vielfalt der zeitgenössischen Choreographie eindrucksvoll unter Beweis stellt. Tauchen Sie gemeinsam mit hundert Nachwuchskünstler_innen in einen Live-Kosmos aus Tanzstücken, Konzerten, raumgreifenden Installationen, Überraschungs-Acts und DJs.

Live Painting
Elodie Emilisa Schillemans
Dream Cloud

18:00, outdoors
Artist: Elodie Emilisa Schillemans

 

Food & Drinks
Cafeteria & Bar International Food & BBQ
18:00, indoors & outdoors
Enjoy the taste of international SEAD-Food.

 

Performative Installation

MERCE CUNNINGHAM – A Celebration Of The Choreographer’s Legacy
Jelka Milic

Passage of Time

Searching for Antariksa

19:00 & 21:20, outdoors, Duration: 8 min.
Concept and choreography: Jelka Milic
Performance: Máté Horváth
Rehearsal director: Maja Poturovic
Music: John Cage, Daniel Spaleniak
Production: blackmountain Verein
Co-production: SEAD Salzburg Experimental Academy of Dance
Passage of Time is an installation and space intervention with a live performance element, created in honour of the Centennial of the renowed choreo- grapher Merce Cunningham. The 7 lights in the space represent the 7 dancers from his 1983 piece Inlets2, a quiet, meditative piece which featured Su- san Quinn, SEAD’s Artistic Director. The lights come on and off in accordance with the musical score devised from Cunningham’s original choreography.
Cunningham’s artistic vision drew on concepts from Eastern philosophies. The term “antariksa” derives from Buddhist philosophy and signi es the space between the earth and the sky, which resonates with Cunningham’s ideas of time and space.
The installation unfolds through the use of light, the site and the body. It is inspired by the shape of the site and evokes the transient nature of interstitial dwellings. The tunnel form of the works is like a portal. It explores the notion of in-between-ness as a circular sphere, which is potent and creative, and seeks to go beyond the limitations of binary perception.

 

Dance
BODHI PROJECT / Mala Kline
SONGLINES
19:30, The Josef Eckart Theatre, Duration: 40 min.
Concept and set-up: Mala Kline
Composition and performance: BODHI PROJECT (Tina Forès-Hitt, Máté Horváth, Luca Kancsó, Tilly Sordat, Félix Urbina Alejandre, Ruby Frances Jones)
Music: Nenad Sinkauz
Production: Mercedes Klein, blackmountain Verein Co-production: Pekinpah Association, Ministry of Culture Slovenia, SEAD Salzburg Experimental Academy of Dance

SONGLINES is an improvisation project and a series of performative events that share the same format but differ in the cast, length, location and engagement of spectators. Similar to Aboriginal songlines that map the dreaming of a speci c landscape and embody it in a dance, song or painting, SONGLINES as real-time compositions map the dreaming present in the performative encounter. The here and now of the theatrical encounter is juxtaposed with the realm of images that hover in the spaces within outside and in-between bodies. Compositions are made through the use cards that define 22 principles of creation based on the diagram of tree of life.
SONGLINES are abstract compositions of pure emotion and abstract feeling, where time slows down, where sensibility of the audience is tackled and the quality of being (together) questioned anew.

 

Rest
Mindfulness Room
“May the Force be with you”
20:20 – 23:00, Studio 29
Within all the power of production, creation and expression, SEAD students learn to take a break from their intense training and work routine, and find time for reflection and self-reflection.
During the 100 invasions…bodies matter performance and its colorful impressions, this place of “nothingness” symbolizes a more mindful and self-reflected practice of creation. Take a break from exploring. Focus and feel the force.

 

Performance Installation

Elodie Emilisa Schillemans

Hello? I can’t hear you…

20:20 / 20:50 / 22:40, Studio August, Duration: 18 min.
Concept and choreography: Elodie Emilisa Schillemans Performer and co-creator: Tamar Honig
Music: Nosaj Thing Sister, Stimming Parking Lot, Arandel In D#6 Music edit: Elodie Emilisa Schilllemans

I am alone. In my room. Surrounded by memories. Soft lights expanding, floating
into the space above, Exposing my wandering mind.
A phone.
In the middle of all things.
A desire. Expectations.
For something that will be worth it. A possible fulfillment On the other side of the phone.
All I know
Is that I am waiting. For something to happen. For someone to happen Can you imagine?

 

Cinema & Video Installation

Rotem Weissman / Zhiyelun Alan Qi / Elodie Emilisa Schillemans
Planet IC
20:20 – 23:00, Kleines Studio Duration: 10 min. Video / Loop

Idea, choreography, performance and edit: Rotem Weissman, Elodie Emilisa Schillemans, Zhiyelun Alan Qi

In a 10 minutes video, three students who partic- ipate in SEAD’s choreography program I.C.E. – International Choreographic Exchange, give an impression of what is happening on Planet ICE.

 

Interactive Research Performance

Charlie Brittain / Diego Francisco Rueda
Inter-ACT

20:20 – 21:30, the RAT

A laptop sits in the middle of a studio. An invitation for YOU to take over, explore, create, control, com- pose, and research. Craft your own performance. Write down your command and see what is going to happen. Nothing can be wrong, anything is possible. Will dancers follow your wish? Will they perform your thought well? Are you satisfied?

 

Performance

Mala Kline

MARCEL

21:30, The Josef Eckart Theatre, Duration: 50 min.
Concept and choreography: Mala Kline
Creation and performance: SEAD 4th year students Music: Niccolo Castiglioni Alef, Gorge Thorogood & The Destroyers Bad to the Bone, Paul Valentin Aurore, Lulu Rouge Fyrkart, Pantha do Prince Stick To My Side, Nicolas Jaar And I Say
Production: SEAD Salzburg Experimental Academy of Dance, Mercedes Klein

MARCEL is a collection of personal and collective episodes gathered into a piece. It is a result of the collective research of performativity in dance. Imaginary bodies and imaginary spaces, relational gestures, scored improvised actions and situations are here weaved into a choreography of fragments of danced stories. Intimate, personal or collective they speak to us about the kinds of relationships we form as we weave a space of togetherness.

 

Party & DJ
22:30, Studio Tess
Dance Dance Dance

Deutschbauer über den Eröffnungabend mit Mette Ingvartsen

 

Julius Deutschbauer begeht die Sommerszene 2018 als eine Reise und betrachtet jedes Ereignis des Festivals – ob Pressekonferenz, Aufführung, Lecture Performance oder Party – als sein bevorzugtes Reiseziel. Über jede Performance oder auch Nicht Performance des Festivals schreibt er eine Kritik bzw. erstellt eine detektivische Reisebeschreibung, die hier nachzulesen ist.

Mette Ingvartsen „to come (extended)“
Di 5. Juni, 20.00 Uhr, republic

Gottfried Benns tiefe Abneigung gegen die üppige Farblast in der Lyrik wurde in meiner letzten Kritik ausführlich zitiert. Er macht allerdings eine Ausnahme: „Da wäre vielleicht eine Befreundung für Blau, welch Glück, welch reines Erlebnis! Man denke alle die leeren, entkräfteten Bespielungen, die suggestionslosen Präambeln für dies einzige Kolorit, […]. Nicht umsonst sage ich Blau. Es ist das Südwort schlechthin …“ (Gottfried Benn, Probleme der Lyrik – Späte Reden und Vorträge, Stuttgart: Klett-Cotta 2011, S. 53f)
Ob die fast ausschließliche Verwendung von Blau durch Mette Ingvarsten in ihrem Stück wie bei Benn auf eine „Befreundung für Blau“ zurückzuführen ist, sei dahingestellt, aber Benn fährt fort: „Blau ist der Exponent des ‚ligurischen Komplexes‘, von enormem ‚Wallungswert‘, das Hauptmittel zur ‚Zusammenhangsdurchstoßung‘, nach der die Selbstentzündung beginnt.“ (ebd., S. 54) Jeder, der gestern im republic war, kann bestimmt den „enormen Wallungswert“ von Ingvartsens Stück bestätigen. Im Bennschen Sinne könnte man Ingvartsens titelgebenden Ausdruck „(extended)“ auch mit „Zusammenhangdurchstoßung“ übersetzen, auf die unmittelbar die „Selbstentzündung“ folgt; und diese folgte am gestrigen Abend tatsächlich. Und nicht nur ein Funke sprang auf das Publikum über. So wurde die Farbe Blau metaphorisch gesehen mehr und mehr durch feuriges Rot ersetzt, auch wenn diese Farbe im Stück selbst nicht vorkam. Zumindest flog einem blaues Feuer vor den Augen herum. In der lang anhaltenden Stille konnte man deutlich die Dehnungsgeräusche der Lampen vernehmen. In der Hitze drohte das Make Up, das mir Valerie Besl knapp vor der dem Einlass aufgetragen hatte, zu zerfließen. Nein, Valerie Besl ist nicht die Make-up Artistin der Szene, sie verwaltet deren Presse.
Aber nicht nur das Publikum geriet ins Schwitzen. Die Protagonist_innen verdienten wahrlich „im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot“. Das ergab mannigfache Blautöne auf den Von-Kopf-bis-Fuß-Overalls. Die Bühne hingegen blieb einheitlich weiß. Weiß ist keine Farbe, sagt man. „Blau ist aller Kulturen Lieblingsfarbe“, behauptete kürzlich der Grafikdesigner Stefan Sagmeister in einem Interview. Kein Wunder also, dass sich die Nationalsozialisten die blaue Kornblume als geheimes Erkennungszeichen wählten und der nunmehrige „blaue“ Verkehrsminister Österreichs kürzlich noch mit diesem Erkennungszeichen im Knopfloch und dem Satz „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist!“ in den Wahlkampf zog.
Da bekommt man wahrlich Lust, es den 15 Protagonist_innen gleich zu tun, die sich gegen Ende des Stücks aus ihren blauen Anzügen schälen. Ich entscheide mich, wenigsten am blauen Auge blind zu werden oder es zumindest mit warmer Milch auszuspritzen.
Jedermann sah, „wie mein Glied sich spannte“. (Georges Bataille, Das obszöne Werk, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1984, S. 32) Ich lief rot an. Rotlauf heißt auch Blaufeuer. Daher kommt mutmaßlich der Ausdruck Blitzblau; daher auch die blitzblauen Overalls, die am Ende wie ausgediente Schlangenhäute hinter hellblauen Vorhängen verschwanden.
Nur mit weißen Socken in weißen, silbernen oder hautfarbenen Schuhen bekleidet, ging’s schließlich zum Paartanz der acht weiblichen und sieben männlichen Protagonist_innen. So sehr sich diese im bekleideten Zustand auch durchmischten, fanden im ausgelassenen Nackttanz erstaunlicherweise meist gegengeschlechtliche Paarungen, wenn auch mit häufig wechselnden Partnern, zusammen, als ob auch in diesem Stück eine letztlich inhärente Kraft gewirkt hätte, die die Personen und die Dinge auf diese Weise zusammenbringt. „So ordnen sich beim Wirbeln Linsen zu Linsen, Gerstenkörner zu Gerstenkörner und Weizenkörner zu Weizenkörner; die länglichen Steinchen werden an die länglichen gestoßen, die runden an die runden.“ (Demokrit)
Beim eingepeitschten Schlussapplaus – vier Vorhänge! – sprang ein begeisterter Festivalgast, „bekleidet mit einem in heißes Wasser getauchten und an ihm klebenden, aber die Brust nackt lassenden Morgenmantel auf“ seinen Stuhl. (Georges Bataille, S. 25)

Frei nach Mette Ingvartsens Farbempfehlung und Alfred Kubins Bemerkung im Roman Die andere Seite – „Können Sie mir ein Hotel empfehlen?“ „Nur die ‚Blaue Gans‘ kommt in Betracht. Die kleineren Gasthäuser, die noch da sind, dürften Ihnen nicht zusagen.“ Er sprach das sehr gefällig und verschwand wieder im Dunkel. – wollte ich gleich nach dem Schlussapplaus im Hotel Blaue Gans einchecken, um an dieser Kritik zu schreiben. Es war heillos ausgebucht. So begnügte ich mich mit zwei Portionen Kutteln im Restaurant. „Kutteln sind nämlich die fetten Därme des Mastviehs.“ (Franҫois Rabelais, Gargantua und Pantagruel, Frankfurt am Main: Insel Verlag 1974, S. 47) Nach den Kutteln ging‘s zurück zum Eröffnungsfest der Sommerszene, wo sich noch alle „beim Klang lustiger Flöten und sanft schnurrender Dudelsäcke so seelenvergnügt unterhielten, dass es eine Götterlust war, zu sehen, wie sie sich ergötzten.“ (ebd., S. 48) Beim Anblick des Freibiers und der aufgetragen Speisefolgen, dauerte mich der Verzehr der herrlichen Kutteln, die bereits meine Därme bedrängten.

Die Sommerszene im Gespräch

Die Sommerszene versteht sich als Ort der Begegnung und bietet verschiedene Formate, die den Dialog zwischen den auftretenden Künstler_innen und dem Publikum verstärken. In diesem Jahr wird für vier Tanz- und Theaterstücke ein Rahmenprogramm präsentiert, das mit Lectures, Einführungsvorträgen und Artist Talks die Besucher_innen zu einer vertiefenden Auseinandersetzung einlädt.


Mette Ingvartsen – to come (extended)

LECTURE Krassimira Kruschkova „Wer will kommen“
Mi 6. Juni, 18.00 Uhr, Kavernen 1595 DE

Die in Wien lebende Theatertheoretikerin Krassimira Kruschkova nimmt Mette Ingvartsens Gruppenchoreographie to come (extended) zum Anlass, um choreographische Probleme des Zusammenkommens zu besprechen. Dabei geht es um das ästhetische und politische Feld von Lust und Gemeinschaft und ihr Vermögen, Andere, Anderes willkommen zu heißen.

WARM UP Einführung von Marlen Mairhofer
Mi 6. Juni, 19.00 Uhr, Kavernen 1595 DE

ARTIST TALK mit Mette Ingvartsen & Katalin Erdödi
Mi 6. Juni, 21.00 Uhr, republic EN

Mette Ingvartsen – 21 pornographies

LECTURE Petra Van Brabandt „Wet Aesthetics: To Heat By Melting“
Do 7. Juni, 18.00 Uhr, Kavernen 1595 EN

Die in Antwerpen arbeitende Philosophin Petra Van Brabandt führt den kunsttheoretischen Begriff der wet aesthetics ein. Am Beispiel von verschiedenen künstlerischen Arbeiten der Kunstgeschichte sowie der Gegenwart, insbesondere der queer-pornographischen Kunst sucht sie nach einer Umdeutung von Geschlechterverhältnissen in modernen Gesellschaften.

WARM UP Einführung von Johanna Hörmann
Do 7. Juni, 19.00 Uhr, Kavernen 1595 DE

ARTIST TALK mit Mette Ingvartsen & Claudia Bosse
Do 7. Juni, 21.00 Uhr, republic EN

Eko Supriyanto – Balabala

WARM UP Einführung von Julia Lipold
Sa 9. Juni, 19.00 Uhr, Kavernen 1595 DE

PHYSICAL INTRODUCTION durch Anja Bornsek
Mo 11. Juni, 19.00 Uhr, Kavernen 1595 EN

Die slowenische Performerin und Tanzvermittlerin Anja Bornsek vermittelt in ihrer Physical Introduction choreographische Ideen und Bewegungsqualitäten, die einen Zugang jenseits der Wortsprache ermöglichen.

ARTIST TALK mit Eko Supriyanto & Julia Schwarzbach
Mo 11. Juni, 21.00 Uhr, republic EN

Marta Górnicka – Magnificat

LECTURE Agata Łuksza „I’m Calling Out to You: On the Choral Theatre of Marta Górnicka“
Do 14. Juni, 18.00 Uhr, Kavernen 1595 EN

Die Gender- und Theaterwissenschaftlerin Agata Łuksza aus Warschau beschäftigt sich mit der Wirkungsweise der chorischen Arbeit Marta Górnickas. Der in der griechischen Antike nur Männern vorbehaltene Theaterchor wird in ihren Stücken oft mit Frauen besetzt. Łuksza analysiert u. a. diese Umbesetzung vor dem Hintergrund der derzeitigen Demonstrationen zur Abtreibungsdebatte in Polen.

WARM UP Einführung von Julia Ostwald
Do 14. Juni, 19.00 Uhr, Kavernen 1595 DE

ARTIST TALK mit Marta Górnicka & Silke Bake
Do 14. Juni, 21.00 Uhr, republic EN

DE … in deutscher Sprache EN … in englischer Sprache

Der Clip zum Festival

13 Produktioen an 12 Festivaltagen, davon 11 Österreichpremieren in zweieinhal Minuten. Einfach Bild anklicken!

Good to Know – die Festivalpräsentation am 8. Mai

Das Präsentationsformat Good to know bietet Ihnen die Gelegenheit, mehr über das Programm der diesjährigen Sommerszene zu erfahren. Festivalleiterin Angela Glechner stellt Ihnen die dreizehn eingeladenen Produktionen an diesem Abend näher vor. Sie gibt Einblicke in die Arbeitsprozesse der Künstler_innen, erzählt über Kontexte, in denen die Stücke entstanden sind, erläutert die formale Umsetzung und ästhetische Kriterien der einzelnen Projekte. Darüber hinaus zeigen wir Ihnen zahlreiche Videoausschnitte der internationalen Gastspiele und – ganz exklusiv – erste kurze Live-Darbietungen zu den Uraufführungen. Lassen Sie sich bei Good to know nicht nur über die Sommerszene 2018 informieren, sondern auch inspirieren.

Di, 8. Mai, 19:00, Kavernen 1595, Gstättengasse 27 – 29

Julius Deutschbauer als Blogger

Julius Deutschbauer begeht die Sommerszene 2018 als eine Reise und betrachtet jedes Ereignis des Festivals – ob Pressekonferenz, Aufführung, Lecture Performance oder Party – als sein bevorzugtes Reiseziel. Über jede Performance oder auch Nicht Performance des Festivals schreibt er eine Kritik bzw. erstellt eine detektivische Reisebeschreibung, die hier nachzulesen ist. Hier sein Bericht von der Pressekonferenz,

Salzburg, Mittwoch, 25. 4. 2018, 10.00 Uhr: „Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts; einem über Russland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit.“ (Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, Bd.1, Salzburg/Wien: Jung und Jung 2016, S. 9)
Ich betrat die Escobar am Anton-Neumayr-Platz, den Ort der Pressekonferenz der Sommerszene 2018, und rief: „Welches Wetter haben wir heute?“ – „Im Gasthaus ist es immer schön!“, tönte es vielstimmig zurück. „Zumindest seit ein neuer Pächter dieses Lokal übernommen hat“, dachte ich bei mir. Draußen knallte die Sonne vom Himmel; drinnen knallten die Sektkorken; nein, drinnen rauchten die Programmköpfe bei Kännchenkaffee – Was sagen so viele Doppelgänger in e i n e m Wort wohl über das Festival aus? – und Kuchen. Der Kuchen war marmoriert wie die barocken Säulen des Salzburger Doms und machte Krümel. Ich bewegte mich die ganze Zeit unter dem langen Tisch zwischen den Beinen der PodiumsteilnehmerInnen hin und her und nährte mich von den Krümeln, die unter den Tisch fielen, denn wie antwortete die eine kanaanäische Frau auf die barsche Abfuhr seitens Jesus Christus, der meinte: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“ – „Da entgegnete sie: „Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotkrümeln, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ (Matthäus XV, 23, 27) „Jesus Friss Du’s!“, sagte ich mir und gab alle eingesammelten Krümel wieder von mir.
Und das Programm? Das kann sich sehen lassen, ließ sich sehen. Das Heft dazu halte ich immer noch fest zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand und Daumen und Zeigefinger der linken Hand; gerade so wie es am Vorplatz des republic eine Zeugin Jehovas mit dem Wachtturm tat. Der frühen Stunde gemäß rief sie „Erwachet!“ Analog stellte ich mich mit dem Programmheft der Sommerszene 2018 neben sie und rief: „Das Reich Gottes lässt auf sich warten, das International Performing Arts Festival der Sommerszene kommt bestimmt!“ Nayana Keshava Bhat konnte sich nicht zurückhalten, einen Schnappschuss von dieser delikaten Situation zu schießen.
Bis zum 16. 6. gebe ich das Heft nun nicht mehr aus der Hand – Heft und Hand sind eins! – und werde auftragsgemäß über alles berichten, was im Programmheft angekündigt wird.
Das Heft kann sich sehen lassen: ganz in rot und gelb gehalten kratzt ein roter Pfeil die Kurve, ein gelber Pfeil penetriert den roten. Der Geruch: zwischen Fleiß und Industrie, kaum holzig, leicht moosig, im Abgang eine fein säuerliche Papiernote; Griffigkeit: gut.
In safrangelber Hose und blumiger Bluse – „Ein Paradiesgarten!“ nach Eigendefinition – stellte Angela Glechner das 14-gängige Programmmenü vor. Wahrlich, sie hält das Heft im Zeitungsformat fest in der Hand!
Angela Glechners gelbe Hose und die tiefrote Bluse von Nayana Keshava Bhat, die ihr Stück room of Inevitable End vorstellte, korrespondierten trefflichst mit dem rotgelben Cover Festivalzeitung, ganz im Gegensatz zum Moosgrün bzw. Mattblau der erstaunlich winterfesten Hemden von Tobias Hammerle und Karl Zechenter von gold exra, die ebenfalls am Podium saßen. Gerademal Hammerles breitkrempiger Strohhut zollte den sommerlichen Temperaturen Referenz. Ich selbst war in zartes Mausgrau gehüllt. Einzig mein signalroter Kugelschreiber machte mich als ausgewiesenen Szene-Korrespondenten kenntlich. Ich fühlte mich sichtlich wohl unter meiner temporären Kollegenschaft. Und diese konnte sich sehen lassen: allesamt ausgestattet mit einem Pressekoffer, angefüllt mit Pressematerial. Man war schon geneigt, von einer Pressekofferenz zu sprechen. Fragen gab es eine: „Fand das Festival jemals schon so früh im Jahr statt?“ – „Fußball Weltmeisterschaft ab 14. 6. und so“, war die Antwort. Na gut, die letzten drei Tage des Festivals werde ich nur noch über Fußball berichten: über Russland – Saudi Arabien statt über Georg Klüver-Pfandtners (empty) space – Vom Leben, der Verzweiflung am 14. 6., über Ägypten – Uruguay statt über Sarah Vanhees Unforetold am 15. 6., über Argentinien – Island statt über Deutschbauers letzte Episode von Heute dreimal in die Sommerszene gefallen am 16. 6.

p. s.: Kännchenkaffee und Marmorkuchen sind natürlich erstunken und erlogen. Niemals würde Angela Glechner zu ihrem mokkastarken Programm Kännchenkaffee reichen lassen. In Wahrheit gab es messerscharfe Spießchen und, passend zur sommerlich blumigen Bluse der Intendantin, Früchtecocktails – wahre Obstgärten! „Mit Champagner aufgespritzt, hätten sie auch was gehabt“, flüsterte Thierry Bruehl opernreif aus der Tasche.

p. p. s.: Auch an inneren Kontrasten fehlt es der Programmzeitung nicht. Auf Seite 16 zum Beispiel posiert Gérald Kurdian vor blauem, auf Seite 17 Julius Deutschbauer vor rotem Hintergrund. Das springt doch in den Blick!

This Way

Als wieder einmal richtungsweisend entpuppt sich das Sommerszene-Festival, dessen Programm heute der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Von 5. bis 16. Juni sind 14 Produktionen aus sieben Ländern zu sehen, davon vier Uraufführungen und sieben Österreich-Premieren. Eine Reihe von Veranstaltungen sind der aktuellen Debatte zum Thema Sexualität, Gender und Identity gewidmet:
Eröffnet wird die Sommerszene mit Mette Ingvartsens lustvoller Choreographie „to come (extended)“, Eko Supriyanto stellt in „Balabala“ traditionelle Geschlechterrollen seiner indonesischen Heimat in Frage. Einige Projekte eröffnen neue Sichtweisen im Stadtraum, weiters ist die britische Gruppe Stan’s Cafe Theatre mit ihrer hymnisch gefeierten Installation „Of All The People In All The World“ eingeladen.

Performing New Europe 2018 – ein kurzes Resümee

Mit der Uraufführung von „Sound of the Trap“, einer Choreographie von Cecilia Bengolea & SEAD’s BODHI PROJECT, ging Performing New Europe 2018 zu Ende. Dieses nun schon zum vierten Mal von der SZENE veranstaltete Festival ist eine Plattform für jene Künstler, die im EU-geförderten Netzwerk apap – advancing performing arts project vertreten sind. Während der Festivalwoche von 15. bis 20. Jänner wurden zehn Produktionen in ingesamt 18, großteils ausverkauften, Vorstellungen präsentiert, das Rahmenprogramm umfasste eine Künstlerresidenz, Expertenmeetings, Diskussionen und Künstlergespräche.

Bilder: Bernhard Müller

Documents, Inserts, Frames – das Workbook

Neben dem Programmheft erscheint zu Performing New Europe das Workbook Documents, Inserts, Frames, das von Jacopo Lanteri, dem künstlerischen Koordinator des apap-Netzwerks, konzipiert wurde. Mit zusätzlichen Informationen zu den einzelnen Projekten des Festivals ermöglicht Documents, Inserts, Frames eine vertiefende Auseinandersetzung mit der individuellen künstlerischen Praxis, gibt Einblicke in Arbeitsprozesse und dokumentiert Recherchematerialien.

Performing New Europe 2018 – die Ticketangebote

Bei den sehr moderat gehaltenen Ticketpreisen – die teuerste Karte kostet 18 Euro – kann man nochmals sparen, wenn man eine der Ermäßigungen in Anspruch nimmt, etwa den Festivalpass zu 60 Euro. Weitere Vergünstigungen gibt es für Schüler, Studenten, Zivildiener, Ö1 Card und SN-Card Inhaber, AK-Card Besitzer,…

Preise

im republic 18/9 € ermäßigt

in der ARGEkultur 14/7 € ermäßigt

im tanz_house Studio 10/6 € ermäßigt

im Toihaus 10/6 € ermäßigt

in den Kavernen 1595 10/6 € ermäßigt

 

Ermässigungen

Der Festivalpass zu 60/40 € ermäßigt gilt für alle Veranstaltungen im Rahmen von Performing New Europe 2018, aus Platzgründen müssen wir bitten, für die jeweils gewünchten vernstatungen Tickets zu reservieren.

Studierende, Schüler und Auszubildende unter 26 Jahren, Präsenz- und Zivildiener sowie Menschen mit Behinderung erhalten gegen Vorlage eines Ausweises eine Ermäßigung von 50 % auf den regulären Kartenpreis.

Ö1, S-Pass, SN- und AK-Card-Inhaber erhalten gegen Vorlage der Mitgliedskarte eine Ermäßigung von 20 % auf die Normalpreiskarte. Nur im Vorverkauf erhältlich.

Kulturpassinhaber von Hunger auf Kunst & Kultur erhalten gegen Vorlage des Kulturpasses und eines Lichtbildausweises je eine kostenlose Eintrittskarte pro Produktion (beschränkte Kapazität). Nur im Vorverkauf erhältlich.

 

Eintritt frei

heißt es bei Später bei Peter – Tanz, Talente, Temperamente, bei den Artist Talks mit Peter Stamer, bei der Diskussion des Cultural Contact Point und bei der Abschlussparty.

 

Ermäßigte Tickets sind nur per Email unter info@szene-salzburg.net oder bei telefonischer Reservierung unter +43 662 843448 erhältlich. Pro Veranstaltung kann nur eine Ermäßigung in Anspruch genommen werden.

PNEU-Festival 18: Programm & Tickets jetzt online

Performing New Europe ist zurück. Bereits zum vierten Mal veranstaltet die SZENE Salzburg das Festival PNEU, das den Künstlern des europäischen apap-Netzwerkes eine internationale Präsentationsplattform bietet. Zwischen 15. und 20. Jänner gibt es neun Produktionen zu sehen, die brisante gesellschaftspolitische Fragen verhandeln, einprägsame choreographische Handschriften vorstellen und durch starke formale Setzungen beeindrucken. Alle Details zum Programm sind ab sofort online, Tickets sind bereits erhältlich.

Mit Beiträgen von Sandra Chatterjee, Nikita Dhawan, Stefan Kaegi, Cynthia Ling Lee, Marissa Lobo, Vanessa Mükisch, Post Natyam Collective, Tomaž Simatović, Tomaž Tomljanović u.a.

BACK TO THE BEAUTIFUL ist das kollektive Kurationsprojekt des ersten Jahrgangs des Universitätslehrgangs ‚Kuratieren in den szenischen Künsten’ (Paris Lodron Universität Salzburg / Ludwig-Maximilians-Universität München) in Kooperation mit der SZENE Salzburg und dem Kooperationsschwerpunkt ‚Wissenschaft & Kunst’.

Back to the Beautuful

In ihrer kollaborativ entstandenen Arbeit ‚Back to the Beautiful. Participatory and Performative Actions in Three Rooms’ setzen die Salzburger Künstler*innen Sandra Chatterjee und Tomaž Simatović einen Dialog mit den Besucher*innen über Formen von Migration, Grenzen, Ritualen, Protesten, Power und Empowerment in Gang. In einer Abfolge künstlerischer Aktionen fließen Menschen, Bewegungen und Texte zusammen – aus den Kavernen, durch das Studio, auf den Dancefloor des republic. Zwischen den einzelnen Teilen und Räumen intervenieren Wissenschaftler*innen und Künstler*innen mit Vorträgen und Diskussionen und fragen: ‚How to Empower Anything With What?’ Der Abend kulminiert in einem Fest der sozialen Räume, mit gemeinsamem Essen, Massage und DJing.

Mit Beiträgen von Sandra Chatterjee, Nikita Dhawan, Stefan Kaegi, Cynthia Ling Lee, Marissa Lobo, Vanessa Mükisch, Post Natyam Collective, Tomaž Simatović, Tomaž Tomljanović u.a.

BACK TO THE BEAUTIFUL ist das kollektive Kurationsprojekt des ersten Jahrgangs des Universitätslehrgangs ‚Kuratieren in den szenischen Künsten’ (Paris Lodron Universität Salzburg / Ludwig-Maximilians-Universität München) in Kooperation mit der SZENE Salzburg und dem Kooperationsschwerpunkt ‚Wissenschaft & Kunst’.

Das war die Sommerszene 2017

„Auch heuer versetze die Sommerszene die Stadt in Schwingungen. Besonders wichtig war es mir in diesem Jahr, maßgebliche choreographische Positionen einzuladen, die sich explizit mit Musik auseinandersetzen“, betont Intendantin Angela Glechner. „Die Stücke von Meg Stuart, Louise Lecavalier, Claire Croizé und Rosalba Torres Guerreiro haben diesbezüglich die ästhetische und formale Bandbreite des zeitgenössischen Tanzes eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Darüber hinaus hat sich einmal mehr der öffentliche Raum als spannender Spielort gezeigt, der eine zusätzliche Farbe in das Festival brachte. Und bitte vormerken: Die Sommerszene 2018 findet von 5. bis 16. Juni statt.“

 

Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der diesjährigen Sommerszene haben von 20. Juni bis 1. Juli mit ihren choreographischen Arbeiten Antworten auf die Welt gegeben, in der wir leben, und gleichzeitig neue Fragestellungen eröffnet:

In atemberaubendem Tempo hat die franko-kanadische Tanz-Ikone Louise Lecavalier bei der Eröffnungsproduktion Battleground die Grenzen des Bewegungsspektrums aufs Virtuoseste ausgelotet. Der individuellen Interpretation ihrer Tänzer ließ Claire Croizé in ihrer Choreographie EVOL Raum, die – ausgehend von Rilkes Duineser Elegien und den Songs von David Bowie – ein dichtes Gewebe zwischen Soli und Duetten schufen. Meg Stuart wiederum zog in ihrem umjubelten Meisterwerk Built to Last mit einem Panoptikum des Menschlichen zwischen Versuch und Scheitern, Möglichem und Unmöglichem in den Bann.

Rosalba Torres Guerrero hat in Long Past den Performern der Kompanie BODHI PROJECT Fragen zur eigenen Existenz gestellt. Fulminant erzählte Pere Faura in seiner klugen und selbstironischen Choreographie No Dance, No Paradise seine ganz persönliche Tanzgeschichte und Simon Mayer setzte sich in Sons of Sissy mit den kulturellen Traditionen zwischen Volks- und zeitgenössischem Tanz auseinander.

Zu den Publikumslieblingen des Festivals wurden erwartungsgemäß die Reinigungsfrauen aus Athen, die in Clean City der griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris berührend und tragikomisch ihre Geschichten zwischen Heimat und Migration erzählten. Das Künstlerduo Navaridas und Deutinger hat sich in ihrer Performance Pontifex auf die vielgestaltigen Spuren von Papst Franzikus gemacht, der symbolisch für die Sehnsucht nach Ikonen unserer Zeit und den Umgang damit steht.

Wie leicht es immer noch fällt, in der barocken Kulisse Salzburgs zu irritieren, hat Michikazu Matsune bewiesen: Bei den Stationen seiner Performance What the Hell in der Altstadt konnte man seinen Blick auf Gewohntes neu justieren. Das Salzburger Künstlerkolletiv ohnetitel wiederum interpretierte in Gärten von Gestern mit poetischen Tableaux vivants den Kommunalfriedhof als einen Ort des Lebens.

Pressestimmen

Clemens Panagl von den SN hat Michikazu Matsunes „What The Hell“ und Claire Croizés „EVOL“ gesehen, Helmut Ploebst vom Standard war zusätzlich noch bei Pere Fauras „No Dance, No Paradise“ und in den „Gärten von Gestern“ von ohnetitel. Und Hans Langwallner bespricht in der Salzburgausgabe der Krone „Evol“.

 

Die Sommerszene auf 3sat

Ein Produktionsteam von 3sat begleitet das diesjährige Festival, es werden Interviews geführt (im Bild mit Pere Faura), Stücke mitgeschnitten und Hintergründe recherchiert. Zu sehen ist das dann in der Moderation von Theaterliebhaber Eric Mayer am 13. August, 18.30 Uhr als halbstündige Ausgabe der 3sat-Reihe „Theater: Ein Fest!“. Vormerken!

 

Louise Lecavalier hat das Festival eröffnet!

Die Sommerszene wirft ja viele Fragen auf, ist aber auch mit Antworten zur Hand. Etwa bei den Künstlergesprächen, beim ersten dieser Art im heurigen Festival haben sich die TänzerInnen Louise Lecavalier und Robert Abubo sowie der Musiker Antoine Berthiaume den Fragen des Publimuks gestellt. Alle weiteren Termine zu Einführngsgesprächen vor und Künstlergesprächen nach der Vorstellung unter „Lesen Sie mehr“.

Beim Einordnen des Gesehenen ist manchmal auch die Reaktion der Presse hilfreich, hier die Kritiken von DrehpunktkulturSalzburg Krone und Salzburger Nachrichten zur Eröffnungsproduktion von Lousie Lecavalier.

 

Einführungsgespräche vor der Vorstellung
Sa 24. Juni
 zu EVOL mit Anna-Lena Mützel
Mi 28. Juni 
zu Built to Last mit Julia Ostwald
Sa 1. Juli
 zu Sons of Sissy mit Laura Unger
jeweils 19.00 Uhr, Kavernen 1595 in deutscher Sprache, Eintritt frei

Künstlergespräche nach der Vorstellung
Di 27. Juni 21.30 Uhr, Schauspielhaus Salzburg zu Clean City
Do 29. Juni 22.00 Uhr, 
Kavernen 1595
 zu Built to Last
in englischer Sprache, Eintritt frei

We could be heroes – die Sommerszene und die Musik

Die assoziativen und emotionalen Möglichkeiten, die Musik freizusetzen vermag, stellen eindrücklich drei Performances der diesjährigen Sommerszene Salzburg unter Beweis: Pere Faura widmet am 22. und 23. Juni seine sehr persönliche Hommage No Dance, No Paradise vier legendären Soli und Musikstücken der Tanzgeschichte. Die Unmittelbarkeit von Gefühlen und Erinnerungen thematisiert Claire Croizé am 24. Juni in EVOL zur Musik von David Bowie und bei Meg Stuarts gefeierter Produktion Built to Last bildet am 28. und 29. Juni eine Metakomposition aus zeitgenössischen und klassischen Kompositionen den Rahmen, um den Glauben an ewig währende Werte, Heldentum und Universalität in Frage zu stellen.

 

Pere Faura tanzt vier legendäre Soli
Den legendären Stücken von Gene Kelly, Anne Teresa De Keersmaeker, Anna Pavlova und John Travolta widmet der katalanische Tänzer Pere Faura seine Performance No Dance, No Paradise: Die jeweiligen Choreographien und Musikstücke von Singing in the Rain, Fase, Schwanensee und Saturday Night Fever sind Tanzgeschichte und Teil der kollektiven Erinnerung. Intelligent und humorvoll hinterfragt er die Leichtigkeit musikalischer Komödien, die Dramaturgie abstrakter Bewegung, die maximale Stilisierung des Todes und die (Un)Möglichkeit, die Freiheit der Disco zu choreographieren. Und er zitiert mit Dance Me to the End of Love eine Komposition des einzigartigen Leonhard Cohen, der den Tanz als bewegten und bewegenden Begleiter von Liebe und Tod besingt.

Claire Croizé feiert die Schönheit der Bewegung
Wie können Emotionen in ihrer Unmittelbarkeit dargestellt werden? Nummern aus dem Frühwerk von David Bowie bilden den poppigen Soundtrack zu Claire Croizés vielbeachteter Choreographie EVOL, das als Anagramm zu LOVE eine Erkundung der Gefühlslagen ist. Ausgehend von Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien erzählen die vier Tänzer eine poetische und berührende Geschichte von Leben, Freude und Verzweiflung. Auch das Wiedererkennen spielt da­bei eine wichtige Rolle: Die Musik David Bowies weckt beim Zuseher persönliche Erinnerungen, die sich mit dem Bewegungsspektrum der Tänzer verbinden. Gänzlich unillustriert verbindet EVOL, das bei der Som­merszene seine Premiere in Öster­reich feiert, all diese Elemente zu ei­ner eindrücklichen und bewegenden Tanzperformance.
Im Anschluss an Claire Croizés Produktion kann das Publikum bei der David Bowie gewidmeten Party Let’s Dance the Night mit DJ Stoph dem Pophelden huldigen.

Meg Stuart inszeniert eine bildgewaltige Zeitmaschine
Mit ihrem gefeierten Meisterwerk Built to Last kehrt die US-amerikanische Choreographin Meg Stuart zur Sommerszene zurück. Ihr dient die Metakomposition von Alain Franco mit Stücken der klassischen Musikgeschichte als Rahmen, um den Glauben an ewig währende Werte, Heldentum und Universalität in Frage zu stellen. Die zeitgenössischen und klassischen Kompositionen u. a. von Beethoven und Dvorák, Rachmaninow und Schönberg, Xenakis und Monk versetzen die Tänzer in immer neue Bewusstseinszustände. Meg Stuart bezieht sich in ihrem Ansatz auch auf Slavoj Zizeks Zitat „The same music that served evil purposes can be redeemed to serve the Good. Or it can be read in a much more ambiguous way. With music we cannot ever be sure. In so far as it externalises our inner passion music is potentially always a threat.“ Gleichzeitig eröffnet die Performance der fünf Tänzer neue Zugänge zur Musik. “I felt that it was possible to make a very fresh human approach to these fragments of classics. There was a way to meet them in a real human way without being disrespectful” so Meg Stuart.

Virtusoe Tanzabende, witzige Performances, packendes Schauspiel, poetische Spaziergänge

 

Helmut Ploebst vom Standard hat mit dem einstigen „Tanztornado der LaLaLa Human Steps“, Louise Lecavalier, ein Interview geführt. Sie eröffnet ja die Sommerszene mit ihrer  Choreographie „Battleground“. Und auch Hans Langwallner von der Salzburg Krone rekurriert in seiner Festival-Vorschau auf die Lecavaliers Vergangenheit als „Köngin, als Heroine“ in den Tanztheater-Prachstücken von LaLaLa Human Steps.

 

Über das Verschwinden

„Friedhöfe sind so etwas wie Fußnoten zu einer Stadt. Sie sind stumme Erzähler und Flüsterer. Hier ist spannend: Legt man den Plan des Kommunalfriedhofs neben den von New York Manhattan, dann ergibt das eine verblüffende Ähnlichkeit. Der Raster, der über N.Y. gelegt ist, gliedert in selbiger Form den Friedhof…“ 

Ein Gespräch mit ohnetitel, dem Salzburger Netzwerk für Theater- und Kunstprojekte, über ihre Produktion Gärten von Gestern, in der sie ab 21. Juni am Salzburger Kommunalfriedhof gemeinsam mit dem Publikum den Techniken des Erinnerns nachgehen.

 

ohnetitel versteht sich als Netzwerk der verschiedenen Kunstformen und ihrer Akteure: Welche davon kommen in den Gärten von Gestern zum Einsatz, welche Schnittstellen wird es geben?

ohnetitel: Wir erarbeiten unser Material in kleineren Konstellationen, u. a. mit einer Gruppe vom SEAD, Studierenden vom Thomas-Bernhard-Institut, mit Theaterleuten oder Musikern. Am Ende fügen sich die einzelnen Puzzlesteine wie eine Komposition zusammen und auch die Akteure mischen sich untereinander. Der Friedhof soll für das Publikum sehr bildhaft und sinnlich erlebt werden, als klanglich-visuelle Komposition, die im inneren Kosmos weiterläuft.

In Euren Projekten werden immer wieder durch Interventionen Fragmente des Alltags gezeigt: In Eurem Projekt Die Loge am Salzburger Hauptbahnhof für die Sommerszene 2015 konnte der Zuschauer das Geschehen aus der Vogelperspektive beobachten und gleichzeitig via Kopfhörer an kurzen Lebensmomenten der Vorbeigehenden teilnehmen. Was interessiert Euch am Ausschnitthaftem?

ohnetitel: Sehr viele unserer Projekte finden im öffentlichen Raum statt, an Plätzen, an denen Alltag stattfindet – manchmal wird ein ganzer Stadtteil zum Thema. Wir untersuchen sehr genau die innere Struktur, die Grammatik dieser Orte. Darauf entwickeln wir dann unsere künstlerische Arbeit und machen für ein Publikum den Ort sichtbar, entwerfen einen neuen Blick darauf. Ob Geschäftsgründungen oder eine Loge in luftiger Höhe. Uns geht es um die temporäre Konstruktion von Wirklichkeit und da ist Alltag als Material spannend.

Friedhöfe sind meist Orte am Rand einer Gemeinschaft, abgegrenzt vom Alltag und seinen Ritualen. Viele Eurer Projekte finden im belebten öffentlichen Raum statt: Wie kam die Idee, als Spielort einen Friedhof zu wählen?

ohnetitel: Friedhöfe sind so etwas wie Fußnoten zu einer Stadt. Sie sind stumme Erzähler und Flüsterer. Hier ist spannend: Legt man den Plan des Kommunalfriedhofs neben den von New York Manhattan, dann ergibt das eine verblüffende Ähnlichkeit. Der Raster, der über N.Y. gelegt ist, gliedert in selbiger Form den Friedhof. Der Friedhof als „unsichtbare Stadt“, mit unterirdischen Hotels, der Rhythmus des Flüchtigen, kurze Momente von Tagträumen oder Chimären des Alltags. Ein bildhafter Zugang, der uns sehr inspiriert hat zu einer Andersdeutung des Ortes und ihn vielleicht doch „tiefer“ zeichnet.

Die ersten Assoziationen zu Friedhof und Begräbnissen sind in unserer Kultur meist Trauer, Verlust, Abschied, Schmerz – und vor allem Stille, während in anderen Kulturkreisen Feste gefeiert werden. Was sind Eure Assoziationen?

ohnetitel: Erinnerung ist ein siamesischer Zwilling der Zeit. Wir brauchen Erinnerung zur Konstruktion unserer Identität – übrigens nicht umsonst sind die beunruhigenden Themen des Altwerdens Demenz oder Alzheimer, also das Verschwinden des Ich. Die Kunst ist voll mit gewaltigen Epen zur Erinnerung – von Proust bis Joyce. Wir beschränken uns auf zwei Phänomene: Das Paradoxon, dass mit jedem Erinnern an ein Ereignis oder an eine Person, diese etwas mehr verschwinden, abrücken, blasser werden. Mit jedem Erinnern überschreiben wir den Gegenstand neu, verändern ihn. Wir wollen gerne was behalten, ein Bild der Zeit einreißen, aber in dem Moment entgleitet es auch schon wieder. Immer verbunden mit der Erinnerung ist eben die Zeit. Daraus entwickeln wir das Konzept, das uns zu den Techniken des Erinnerns führt.

Ein Friedhof ist ja eine Art verbindende Bruchlinie zwischen Erinnern und Vergessen: Wie geht Ihr künstlerisch darauf ein?

ohnetitel: Wir arbeiten mit wiederkehrenden Elementen, die sich immer wieder selbst überschreiben, sei es im Wort, in Bildern oder mit Klang. Auch das Schemenhafte taucht auf, Bilder, die sich nicht greifen lassen oder ein verfremdetes Detail in sich tragen – eine kleine Verbeugung vor der Kreativität der Erinnerung. Weiters interessiert uns die Aufteilung der „Erinnerungstechniken“ in individuelle und kollektive Formen. Gerade dazu bietet sich der Friedhof als beispielhafter Boden an: wir gehen auf den Friedhof, um unserer persönlichen Erinnerung Raum zu geben, oder versammeln uns als Gruppe, um gemeinsam Halt zu finden. Gleichzeitig, und das interessiert uns wieder mit Blick auf die Architektur des Ortes, trägt der Kommunalfriedhof viele Landschaften (oder „Stadtteile“ in sich), die andere Bezüge des Lebens mitbringen, den Park, den Garten, das Eigenheim oder den Blick auf den Berg.

21., 22., 24., & 25. Juni, 17:00 & 19:00 Uhr, Treffpunkt Haupteingang Kommunalfriedhof

Das Festival und das Politische

Auch in diesem Jahr widmet sich die Sommerszene Salzburg gesellschaftspolitischen Themen und sozialen Prozessen und befasst sich mit aktuellen Phänomenen und Fragestellungen. Die griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris stellen bei der Österreich-Premiere von Clean City die Frage, wer Europa eigentlich saubermacht und das spanisch-österreichische Künstlerpaar Navaridas & Deutinger bringt sein Stück Pontifex zur Uraufführung, in dem sie auf die geschickte mediale Inszenierung von Papst Franziskus reagieren.

 

Die Idee zum Stück Clean City kam anlässlich der Wahlen 2012, als die Slogans „Säubert die Stadt“ und „Athen ausmisten“ der rechtsextremen Partei der „Goldenen Morgenröte“ zu Ausschreitungen gegen Migranten aufriefen. Die beiden griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris stellten daraufhin die Gegenfrage: Wer säubert eigentlich Tag für Tag die Stadt?
Für ihre europaweit gefeierte Produktion Clean City sammelten sie die Lebensgeschichten von fünf Migrantinnen aus Südafrika, Bulgarien, Russland, den Philippinen und Albanien, die als Reinigungsfrauen in Athen ihren Lebensunterhalt verdienen. Mit Witz und Chuzpe, selbstbewusst und ohne Umschweife erzählen Mabel, Rositsa, Fredalyn, Drita und Valentina auf der Bühne von Ausbeutung und Vorurteilen, von Rechtlosigkeit und Ohnmacht, aber auch von Stolz und Würde:

„Ich hatte von einer Agentur gehört, die Leute nach Athen bringt, und sagte zu meinem Mann: ‚Morgen früh gehe ich. Wenn du nicht den Mumm hast, die Familie zu ernähren, ziehe ich die Hosen an.’ Ich hielt die Armut nicht mehr aus. Dass ich kein Geld für die Bücher der Kinder hatte. Mein Mann kam an dem Morgen nicht mal zum Bus, um mich zu verabschieden. Es kam nur mein Sohn. ‚Mama, geh nicht, ich brauche dich’, sagte er. Als der Bus losfuhr, sah ich ihn hinter einer Säule weinen.“

„(Die Regisseure) komprimierten das Ganze zu einem großartigen Stück Gegenwart, einem Text über Globalisierung und Heimat, Sehnsucht und Familie, das Verschwinden der Mittelklasse und die Träume, die Europa noch immer für so viele birgt.“
Süddeutsche Zeitung, Axel Rühle

 

Für Kultfiguren und Sympathieträger des 20. und 21. Jahrhunderts interessiert sich das spanisch-österreichische Künstlerpaar Navaridas & Deutinger: Nach den Arbeiten über Barack Obama und Lady Diana steht in Pontifex nun Papst Franziskus im Fokus. Sie reagieren damit auf die geschickte mediale Inszenierung des höchsten Würdenträgers der katholischen Kirche. Vom US-Magazin Time zur Person des Jahres 2013 gekürt, twittert Papst Franziskus in neun Sprachen an seine sieben Millionen Follower. 2015 bringt er ein Musikalbum mit dem Titel Wake Up! heraus und landet damit auf dem Cover des Rolling Stone. Er polarisiert wie wenige seiner Vorgänger, doch worin besteht seine öffentliche Rolle dieser Person? Ist er ein Superheld? Ein neuer linker Hoffnungsträger? Oder doch eine konservative Marionette?

Videos zu ihren Arbeiten hier!

Bowie, Travolta & der Papst

Auch die Presse hat schnell durchblickt, dass sich dieses Jahr jede Menge Kultfiguren und Ikonen bei der Sommerszene tummeln. Tanzikonen wie Louise Lecavalier und Meg Stuart präsentieren ihre Choreographien, in anderer Stücken stoßen wir auf Kultfiguren wie Fred Astaire, David Bowie, John Travolta oder Papst Franziskus. Hier für eine erste Presseschau klicken: SZ17_Pressespiegel_20170531.

Die Idee zum Stück Clean City kam anlässlich der Wahlen 2012, als die Slogans „Säubert die Stadt“ und „Athen ausmisten“ der rechtsextremen Partei der „Goldenen Morgenröte“ zu Ausschreitungen gegen Migranten aufriefen. Die beiden griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris stellten daraufhin die Gegenfrage: Wer säubert eigentlich Tag für Tag die Stadt?
Für ihre europaweit gefeierte Produktion Clean City sammelten sie die Lebensgeschichten von fünf Migrantinnen aus Südafrika, Bulgarien, Russland, den Philippinen und Albanien, die als Reinigungsfrauen in Athen ihren Lebensunterhalt verdienen. Mit Witz und Chuzpe, selbstbewusst und ohne Umschweife erzählen Mabel, Rositsa, Fredalyn, Drita und Valentina auf der Bühne von Ausbeutung und Vorurteilen, von Rechtlosigkeit und Ohnmacht, aber auch von Stolz und Würde:

„Ich hatte von einer Agentur gehört, die Leute nach Athen bringt, und sagte zu meinem Mann: ‚Morgen früh gehe ich. Wenn du nicht den Mumm hast, die Familie zu ernähren, ziehe ich die Hosen an.’ Ich hielt die Armut nicht mehr aus. Dass ich kein Geld für die Bücher der Kinder hatte. Mein Mann kam an dem Morgen nicht mal zum Bus, um mich zu verabschieden. Es kam nur mein Sohn. ‚Mama, geh nicht, ich brauche dich’, sagte er. Als der Bus losfuhr, sah ich ihn hinter einer Säule weinen.“

„(Die Regisseure) komprimierten das Ganze zu einem großartigen Stück Gegenwart, einem Text über Globalisierung und Heimat, Sehnsucht und Familie, das Verschwinden der Mittelklasse und die Träume, die Europa noch immer für so viele birgt.“
Süddeutsche Zeitung, Axel Rühle

 

Für Kultfiguren und Sympathieträger des 20. und 21. Jahrhunderts interessiert sich das spanisch-österreichische Künstlerpaar Navaridas & Deutinger: Nach den Arbeiten über Barack Obama und Lady Diana steht in Pontifex nun Papst Franziskus im Fokus. Sie reagieren damit auf die geschickte mediale Inszenierung des höchsten Würdenträgers der katholischen Kirche. Vom US-Magazin Time zur Person des Jahres 2013 gekürt, twittert Papst Franziskus in neun Sprachen an seine sieben Millionen Follower. 2015 bringt er ein Musikalbum mit dem Titel Wake Up! heraus und landet damit auf dem Cover des Rolling Stone. Er polarisiert wie wenige seiner Vorgänger, doch worin besteht seine öffentliche Rolle dieser Person? Ist er ein Superheld? Ein neuer linker Hoffnungsträger? Oder doch eine konservative Marionette?

Videos zu ihren Arbeiten hier!

Fragen über Fragen

Die Sommerszene wirft ja dieses Jahr viele Fragen auf, unsere Art-Directoren von Beton – Gruppe für Gestaltung haben in einem rasanten Clip zusammengefasst, was so alles infrage steht.

 

Der Trailer zur Sommerszene 2017

Die ganze Sommerszene in knapp 2 Minuten

 

Jetzt Tickets kaufen und 25% sparen!

Das Ticketing für die Sommerszene hält wieder zahlreiche Ermäßigungen bereit, aktuell und noch bis 10. Juni kann man z.B. den FRÜHBUCHERBONUS in Anspruch nehmen. Das bedeutet 25% Ermäßigung, eine Karte für eine Vorstellung im republic kostet dann z. B. nur € 18.– statt € 24.–!

 

Für den wahren Fan der Bühnenkünste gibt es wieder einen Festivalpass: für € 98.– (€ 49.– für Schüler, Studierenden,…) kann man alle Vorstellungen des Festivals besuchen. Studierende, Schüler und Auszubildende unter 26 Jahren, Präsenz­ und Zivildiener sowie Menschen mit Behinderung erhalten gegen Vorlage ei­nes Ausweises eine Ermäßigung von 50 % auf den regulären Kartenpreis (Ausweis nicht vergessen). Für die Inhaber von Ö1, S-Pass, SN- und AK-Card gibt es 20% Ermäßigung auf den Normalpreis.

Und wer „Hunger auf Kunst & Kultur“ hat und Kulturpassinhaber ist, bekommt erhalten je eine kostenlo­se Eintrittskarte im Vorverkauf für die Vorstellungen im republic und im Schauspielhaus Salzburg (begrenzte Kapazität). Für alle anderen Vorstel­lungen erhalten Kulturpassinhaber Karten mit 50 % Ermäßigung zum Preis von12€bzw.8€. ( Kulturpasses und Lichtbildausweis nicht vergessen).

Ermäßigte Tickets sind nur im Vorverkauf und nur im oeticketcenter republic, Tel: 0662/843711 erhältlich.

Good to Know: Programmpräsentation mit Angela Glechner

Sie möchten mehr über die künstlerische Ausrichtung der diesjährigen Sommerszene erfahren? Sie wollen näheres zu den einzelnen Produktionen wissen? Sie benötigen noch zusätzliche Informationen, um Ihren individuellen Festivalkalender zusammenzustellen? Good to Know bietet allen Interessier­ ten die perfekte Gelegenheit, um sich einen detaillierten Überblick über die ausgewählten Stücke zu verschaffen. Intendantin Angela Glechner erzählt Ihnen Wissenswertes zu Inhalt, Ästhetik und Format der Gastspiele und eini­ ge Künstler des Festivals berichten über ihre Arbeitspraxis und laufende Pro­benprozesse. Zudem gibt es – ganz exklusiv – erste performative Kostproben der Sommerszene 2017 zu erleben.

Mi, 31. Mai, 19 Uhr, Kavernen 1595, Gstättengasse 27
Eintritt frei, Anmeldung unter info@szene-salzburg.net erbeten

Eröffnet wird die Sommerszene von Louise Lecavalier, gefeierte franko-kanadische Tanz-Ikone und ehemalige Frontfrau von La La La Human Steps, die mit ihrem aktuellen Stück Battleground nach Salzburg zurückkehrt: Inspiriert von Italo Calvinos Der Ritter, den es nie gab begibt sie sich mit dem Tänzer Robert Abubo und dem Musiker Antoine Berthiaume in ein Universum aus vibrierendem Tanz und pulsierenden Klängen. Mit diesem virtuos choreographierten und interpretierten Abend stellt Louise Lecavalier, die zuletzt 2012 mit So Blue bei der Sommerszene gastierte, wiederum ihre künstlerische Einzigartigkeit unter Beweis. Foto (c) Carl Lessard

Die rechtsextremen Parteien Europas wollen den Kontinent von Migranten „säubern“ – aber wer macht in Europa eigentlich sauber? In ihrem Theater des Realen gehen die griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris in dem europaweit umjubelten Abend Clean City Stereotypen auf den Grund und lassen sie von denjenigen neu definieren, die die eigentlichen Experten sind: die Reinigungskräfte Athens, weibliche Migrantinnen verschiedener Generationen, die aus ihrem Leben erzählen.

Die Techniken des Erinnerns thematisiert ohnetitel mit ihrem neuesten Projekt für den öffentlichen Raum: Gemeinsam mit dem Publikum begibt sich das Salzburger Netzwerk für Theater und Kunstprojekte in Gärten von Gestern zum Kommunalfriedhof. Dort erwartet die Zuschauer ein geführter Spaziergang mit einer Musikkapelle, zehn Grammophonen, fünfzehn lebenden Bildern und 213 Fotos, der auf poetische Weise unsere kollektive und individuelle Erinnerung inszeniert.