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Das war die Sommerszene 2017

„Auch heuer versetze die Sommerszene die Stadt in Schwingungen. Besonders wichtig war es mir in diesem Jahr, maßgebliche choreographische Positionen einzuladen, die sich explizit mit Musik auseinandersetzen“, betont Intendantin Angela Glechner. „Die Stücke von Meg Stuart, Louise Lecavalier, Claire Croizé und Rosalba Torres Guerreiro haben diesbezüglich die ästhetische und formale Bandbreite des zeitgenössischen Tanzes eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Darüber hinaus hat sich einmal mehr der öffentliche Raum als spannender Spielort gezeigt, der eine zusätzliche Farbe in das Festival brachte. Und bitte vormerken: Die Sommerszene 2018 findet von 5. bis 16. Juni statt.“

 

Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der diesjährigen Sommerszene haben von 20. Juni bis 1. Juli mit ihren choreographischen Arbeiten Antworten auf die Welt gegeben, in der wir leben, und gleichzeitig neue Fragestellungen eröffnet:

In atemberaubendem Tempo hat die franko-kanadische Tanz-Ikone Louise Lecavalier bei der Eröffnungsproduktion Battleground die Grenzen des Bewegungsspektrums aufs Virtuoseste ausgelotet. Der individuellen Interpretation ihrer Tänzer ließ Claire Croizé in ihrer Choreographie EVOL Raum, die – ausgehend von Rilkes Duineser Elegien und den Songs von David Bowie – ein dichtes Gewebe zwischen Soli und Duetten schufen. Meg Stuart wiederum zog in ihrem umjubelten Meisterwerk Built to Last mit einem Panoptikum des Menschlichen zwischen Versuch und Scheitern, Möglichem und Unmöglichem in den Bann.

Rosalba Torres Guerrero hat in Long Past den Performern der Kompanie BODHI PROJECT Fragen zur eigenen Existenz gestellt. Fulminant erzählte Pere Faura in seiner klugen und selbstironischen Choreographie No Dance, No Paradise seine ganz persönliche Tanzgeschichte und Simon Mayer setzte sich in Sons of Sissy mit den kulturellen Traditionen zwischen Volks- und zeitgenössischem Tanz auseinander.

Zu den Publikumslieblingen des Festivals wurden erwartungsgemäß die Reinigungsfrauen aus Athen, die in Clean City der griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris berührend und tragikomisch ihre Geschichten zwischen Heimat und Migration erzählten. Das Künstlerduo Navaridas und Deutinger hat sich in ihrer Performance Pontifex auf die vielgestaltigen Spuren von Papst Franzikus gemacht, der symbolisch für die Sehnsucht nach Ikonen unserer Zeit und den Umgang damit steht.

Wie leicht es immer noch fällt, in der barocken Kulisse Salzburgs zu irritieren, hat Michikazu Matsune bewiesen: Bei den Stationen seiner Performance What the Hell in der Altstadt konnte man seinen Blick auf Gewohntes neu justieren. Das Salzburger Künstlerkolletiv ohnetitel wiederum interpretierte in Gärten von Gestern mit poetischen Tableaux vivants den Kommunalfriedhof als einen Ort des Lebens.

Pressestimmen

Clemens Panagl von den SN hat Michikazu Matsunes „What The Hell“ und Claire Croizés „EVOL“ gesehen, Helmut Ploebst vom Standard war zusätzlich noch bei Pere Fauras „No Dance, No Paradise“ und in den „Gärten von Gestern“ von ohnetitel. Und Hans Langwallner bespricht in der Salzburgausgabe der Krone „Evol“.

 

Die Sommerszene auf 3sat

Ein Produktionsteam von 3sat begleitet das diesjährige Festival, es werden Interviews geführt (im Bild mit Pere Faura), Stücke mitgeschnitten und Hintergründe recherchiert. Zu sehen ist das dann in der Moderation von Theaterliebhaber Eric Mayer am 13. August, 18.30 Uhr als halbstündige Ausgabe der 3sat-Reihe „Theater: Ein Fest!“. Vormerken!

 

Louise Lecavalier hat das Festival eröffnet!

Die Sommerszene wirft ja viele Fragen auf, ist aber auch mit Antworten zur Hand. Etwa bei den Künstlergesprächen, beim ersten dieser Art im heurigen Festival haben sich die TänzerInnen Louise Lecavalier und Robert Abubo sowie der Musiker Antoine Berthiaume den Fragen des Publimuks gestellt. Alle weiteren Termine zu Einführngsgesprächen vor und Künstlergesprächen nach der Vorstellung unter „Lesen Sie mehr“.

Beim Einordnen des Gesehenen ist manchmal auch die Reaktion der Presse hilfreich, hier die Kritiken von DrehpunktkulturSalzburg Krone und Salzburger Nachrichten zur Eröffnungsproduktion von Lousie Lecavalier.

 

Einführungsgespräche vor der Vorstellung
Sa 24. Juni
 zu EVOL mit Anna-Lena Mützel
Mi 28. Juni 
zu Built to Last mit Julia Ostwald
Sa 1. Juli
 zu Sons of Sissy mit Laura Unger
jeweils 19.00 Uhr, Kavernen 1595 in deutscher Sprache, Eintritt frei

Künstlergespräche nach der Vorstellung
Di 27. Juni 21.30 Uhr, Schauspielhaus Salzburg zu Clean City
Do 29. Juni 22.00 Uhr, 
Kavernen 1595
 zu Built to Last
in englischer Sprache, Eintritt frei

We could be heroes – die Sommerszene und die Musik

Die assoziativen und emotionalen Möglichkeiten, die Musik freizusetzen vermag, stellen eindrücklich drei Performances der diesjährigen Sommerszene Salzburg unter Beweis: Pere Faura widmet am 22. und 23. Juni seine sehr persönliche Hommage No Dance, No Paradise vier legendären Soli und Musikstücken der Tanzgeschichte. Die Unmittelbarkeit von Gefühlen und Erinnerungen thematisiert Claire Croizé am 24. Juni in EVOL zur Musik von David Bowie und bei Meg Stuarts gefeierter Produktion Built to Last bildet am 28. und 29. Juni eine Metakomposition aus zeitgenössischen und klassischen Kompositionen den Rahmen, um den Glauben an ewig währende Werte, Heldentum und Universalität in Frage zu stellen.

 

Pere Faura tanzt vier legendäre Soli
Den legendären Stücken von Gene Kelly, Anne Teresa De Keersmaeker, Anna Pavlova und John Travolta widmet der katalanische Tänzer Pere Faura seine Performance No Dance, No Paradise: Die jeweiligen Choreographien und Musikstücke von Singing in the Rain, Fase, Schwanensee und Saturday Night Fever sind Tanzgeschichte und Teil der kollektiven Erinnerung. Intelligent und humorvoll hinterfragt er die Leichtigkeit musikalischer Komödien, die Dramaturgie abstrakter Bewegung, die maximale Stilisierung des Todes und die (Un)Möglichkeit, die Freiheit der Disco zu choreographieren. Und er zitiert mit Dance Me to the End of Love eine Komposition des einzigartigen Leonhard Cohen, der den Tanz als bewegten und bewegenden Begleiter von Liebe und Tod besingt.

Claire Croizé feiert die Schönheit der Bewegung
Wie können Emotionen in ihrer Unmittelbarkeit dargestellt werden? Nummern aus dem Frühwerk von David Bowie bilden den poppigen Soundtrack zu Claire Croizés vielbeachteter Choreographie EVOL, das als Anagramm zu LOVE eine Erkundung der Gefühlslagen ist. Ausgehend von Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien erzählen die vier Tänzer eine poetische und berührende Geschichte von Leben, Freude und Verzweiflung. Auch das Wiedererkennen spielt da­bei eine wichtige Rolle: Die Musik David Bowies weckt beim Zuseher persönliche Erinnerungen, die sich mit dem Bewegungsspektrum der Tänzer verbinden. Gänzlich unillustriert verbindet EVOL, das bei der Som­merszene seine Premiere in Öster­reich feiert, all diese Elemente zu ei­ner eindrücklichen und bewegenden Tanzperformance.
Im Anschluss an Claire Croizés Produktion kann das Publikum bei der David Bowie gewidmeten Party Let’s Dance the Night mit DJ Stoph dem Pophelden huldigen.

Meg Stuart inszeniert eine bildgewaltige Zeitmaschine
Mit ihrem gefeierten Meisterwerk Built to Last kehrt die US-amerikanische Choreographin Meg Stuart zur Sommerszene zurück. Ihr dient die Metakomposition von Alain Franco mit Stücken der klassischen Musikgeschichte als Rahmen, um den Glauben an ewig währende Werte, Heldentum und Universalität in Frage zu stellen. Die zeitgenössischen und klassischen Kompositionen u. a. von Beethoven und Dvorák, Rachmaninow und Schönberg, Xenakis und Monk versetzen die Tänzer in immer neue Bewusstseinszustände. Meg Stuart bezieht sich in ihrem Ansatz auch auf Slavoj Zizeks Zitat „The same music that served evil purposes can be redeemed to serve the Good. Or it can be read in a much more ambiguous way. With music we cannot ever be sure. In so far as it externalises our inner passion music is potentially always a threat.“ Gleichzeitig eröffnet die Performance der fünf Tänzer neue Zugänge zur Musik. “I felt that it was possible to make a very fresh human approach to these fragments of classics. There was a way to meet them in a real human way without being disrespectful” so Meg Stuart.

Virtusoe Tanzabende, witzige Performances, packendes Schauspiel, poetische Spaziergänge

 

Helmut Ploebst vom Standard hat mit dem einstigen „Tanztornado der LaLaLa Human Steps“, Louise Lecavalier, ein Interview geführt. Sie eröffnet ja die Sommerszene mit ihrer  Choreographie „Battleground“. Und auch Hans Langwallner von der Salzburg Krone rekurriert in seiner Festival-Vorschau auf die Lecavaliers Vergangenheit als „Köngin, als Heroine“ in den Tanztheater-Prachstücken von LaLaLa Human Steps.

 

Über das Verschwinden

„Friedhöfe sind so etwas wie Fußnoten zu einer Stadt. Sie sind stumme Erzähler und Flüsterer. Hier ist spannend: Legt man den Plan des Kommunalfriedhofs neben den von New York Manhattan, dann ergibt das eine verblüffende Ähnlichkeit. Der Raster, der über N.Y. gelegt ist, gliedert in selbiger Form den Friedhof…“ 

Ein Gespräch mit ohnetitel, dem Salzburger Netzwerk für Theater- und Kunstprojekte, über ihre Produktion Gärten von Gestern, in der sie ab 21. Juni am Salzburger Kommunalfriedhof gemeinsam mit dem Publikum den Techniken des Erinnerns nachgehen.

 

ohnetitel versteht sich als Netzwerk der verschiedenen Kunstformen und ihrer Akteure: Welche davon kommen in den Gärten von Gestern zum Einsatz, welche Schnittstellen wird es geben?

ohnetitel: Wir erarbeiten unser Material in kleineren Konstellationen, u. a. mit einer Gruppe vom SEAD, Studierenden vom Thomas-Bernhard-Institut, mit Theaterleuten oder Musikern. Am Ende fügen sich die einzelnen Puzzlesteine wie eine Komposition zusammen und auch die Akteure mischen sich untereinander. Der Friedhof soll für das Publikum sehr bildhaft und sinnlich erlebt werden, als klanglich-visuelle Komposition, die im inneren Kosmos weiterläuft.

In Euren Projekten werden immer wieder durch Interventionen Fragmente des Alltags gezeigt: In Eurem Projekt Die Loge am Salzburger Hauptbahnhof für die Sommerszene 2015 konnte der Zuschauer das Geschehen aus der Vogelperspektive beobachten und gleichzeitig via Kopfhörer an kurzen Lebensmomenten der Vorbeigehenden teilnehmen. Was interessiert Euch am Ausschnitthaftem?

ohnetitel: Sehr viele unserer Projekte finden im öffentlichen Raum statt, an Plätzen, an denen Alltag stattfindet – manchmal wird ein ganzer Stadtteil zum Thema. Wir untersuchen sehr genau die innere Struktur, die Grammatik dieser Orte. Darauf entwickeln wir dann unsere künstlerische Arbeit und machen für ein Publikum den Ort sichtbar, entwerfen einen neuen Blick darauf. Ob Geschäftsgründungen oder eine Loge in luftiger Höhe. Uns geht es um die temporäre Konstruktion von Wirklichkeit und da ist Alltag als Material spannend.

Friedhöfe sind meist Orte am Rand einer Gemeinschaft, abgegrenzt vom Alltag und seinen Ritualen. Viele Eurer Projekte finden im belebten öffentlichen Raum statt: Wie kam die Idee, als Spielort einen Friedhof zu wählen?

ohnetitel: Friedhöfe sind so etwas wie Fußnoten zu einer Stadt. Sie sind stumme Erzähler und Flüsterer. Hier ist spannend: Legt man den Plan des Kommunalfriedhofs neben den von New York Manhattan, dann ergibt das eine verblüffende Ähnlichkeit. Der Raster, der über N.Y. gelegt ist, gliedert in selbiger Form den Friedhof. Der Friedhof als „unsichtbare Stadt“, mit unterirdischen Hotels, der Rhythmus des Flüchtigen, kurze Momente von Tagträumen oder Chimären des Alltags. Ein bildhafter Zugang, der uns sehr inspiriert hat zu einer Andersdeutung des Ortes und ihn vielleicht doch „tiefer“ zeichnet.

Die ersten Assoziationen zu Friedhof und Begräbnissen sind in unserer Kultur meist Trauer, Verlust, Abschied, Schmerz – und vor allem Stille, während in anderen Kulturkreisen Feste gefeiert werden. Was sind Eure Assoziationen?

ohnetitel: Erinnerung ist ein siamesischer Zwilling der Zeit. Wir brauchen Erinnerung zur Konstruktion unserer Identität – übrigens nicht umsonst sind die beunruhigenden Themen des Altwerdens Demenz oder Alzheimer, also das Verschwinden des Ich. Die Kunst ist voll mit gewaltigen Epen zur Erinnerung – von Proust bis Joyce. Wir beschränken uns auf zwei Phänomene: Das Paradoxon, dass mit jedem Erinnern an ein Ereignis oder an eine Person, diese etwas mehr verschwinden, abrücken, blasser werden. Mit jedem Erinnern überschreiben wir den Gegenstand neu, verändern ihn. Wir wollen gerne was behalten, ein Bild der Zeit einreißen, aber in dem Moment entgleitet es auch schon wieder. Immer verbunden mit der Erinnerung ist eben die Zeit. Daraus entwickeln wir das Konzept, das uns zu den Techniken des Erinnerns führt.

Ein Friedhof ist ja eine Art verbindende Bruchlinie zwischen Erinnern und Vergessen: Wie geht Ihr künstlerisch darauf ein?

ohnetitel: Wir arbeiten mit wiederkehrenden Elementen, die sich immer wieder selbst überschreiben, sei es im Wort, in Bildern oder mit Klang. Auch das Schemenhafte taucht auf, Bilder, die sich nicht greifen lassen oder ein verfremdetes Detail in sich tragen – eine kleine Verbeugung vor der Kreativität der Erinnerung. Weiters interessiert uns die Aufteilung der „Erinnerungstechniken“ in individuelle und kollektive Formen. Gerade dazu bietet sich der Friedhof als beispielhafter Boden an: wir gehen auf den Friedhof, um unserer persönlichen Erinnerung Raum zu geben, oder versammeln uns als Gruppe, um gemeinsam Halt zu finden. Gleichzeitig, und das interessiert uns wieder mit Blick auf die Architektur des Ortes, trägt der Kommunalfriedhof viele Landschaften (oder „Stadtteile“ in sich), die andere Bezüge des Lebens mitbringen, den Park, den Garten, das Eigenheim oder den Blick auf den Berg.

21., 22., 24., & 25. Juni, 17:00 & 19:00 Uhr, Treffpunkt Haupteingang Kommunalfriedhof

Das Festival und das Politische

Auch in diesem Jahr widmet sich die Sommerszene Salzburg gesellschaftspolitischen Themen und sozialen Prozessen und befasst sich mit aktuellen Phänomenen und Fragestellungen. Die griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris stellen bei der Österreich-Premiere von Clean City die Frage, wer Europa eigentlich saubermacht und das spanisch-österreichische Künstlerpaar Navaridas & Deutinger bringt sein Stück Pontifex zur Uraufführung, in dem sie auf die geschickte mediale Inszenierung von Papst Franziskus reagieren.

 

Die Idee zum Stück Clean City kam anlässlich der Wahlen 2012, als die Slogans „Säubert die Stadt“ und „Athen ausmisten“ der rechtsextremen Partei der „Goldenen Morgenröte“ zu Ausschreitungen gegen Migranten aufriefen. Die beiden griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris stellten daraufhin die Gegenfrage: Wer säubert eigentlich Tag für Tag die Stadt?
Für ihre europaweit gefeierte Produktion Clean City sammelten sie die Lebensgeschichten von fünf Migrantinnen aus Südafrika, Bulgarien, Russland, den Philippinen und Albanien, die als Reinigungsfrauen in Athen ihren Lebensunterhalt verdienen. Mit Witz und Chuzpe, selbstbewusst und ohne Umschweife erzählen Mabel, Rositsa, Fredalyn, Drita und Valentina auf der Bühne von Ausbeutung und Vorurteilen, von Rechtlosigkeit und Ohnmacht, aber auch von Stolz und Würde:

„Ich hatte von einer Agentur gehört, die Leute nach Athen bringt, und sagte zu meinem Mann: ‚Morgen früh gehe ich. Wenn du nicht den Mumm hast, die Familie zu ernähren, ziehe ich die Hosen an.’ Ich hielt die Armut nicht mehr aus. Dass ich kein Geld für die Bücher der Kinder hatte. Mein Mann kam an dem Morgen nicht mal zum Bus, um mich zu verabschieden. Es kam nur mein Sohn. ‚Mama, geh nicht, ich brauche dich’, sagte er. Als der Bus losfuhr, sah ich ihn hinter einer Säule weinen.“

„(Die Regisseure) komprimierten das Ganze zu einem großartigen Stück Gegenwart, einem Text über Globalisierung und Heimat, Sehnsucht und Familie, das Verschwinden der Mittelklasse und die Träume, die Europa noch immer für so viele birgt.“
Süddeutsche Zeitung, Axel Rühle

 

Für Kultfiguren und Sympathieträger des 20. und 21. Jahrhunderts interessiert sich das spanisch-österreichische Künstlerpaar Navaridas & Deutinger: Nach den Arbeiten über Barack Obama und Lady Diana steht in Pontifex nun Papst Franziskus im Fokus. Sie reagieren damit auf die geschickte mediale Inszenierung des höchsten Würdenträgers der katholischen Kirche. Vom US-Magazin Time zur Person des Jahres 2013 gekürt, twittert Papst Franziskus in neun Sprachen an seine sieben Millionen Follower. 2015 bringt er ein Musikalbum mit dem Titel Wake Up! heraus und landet damit auf dem Cover des Rolling Stone. Er polarisiert wie wenige seiner Vorgänger, doch worin besteht seine öffentliche Rolle dieser Person? Ist er ein Superheld? Ein neuer linker Hoffnungsträger? Oder doch eine konservative Marionette?

Videos zu ihren Arbeiten hier!

Bowie, Travolta & der Papst

Auch die Presse hat schnell durchblickt, dass sich dieses Jahr jede Menge Kultfiguren und Ikonen bei der Sommerszene tummeln. Tanzikonen wie Louise Lecavalier und Meg Stuart präsentieren ihre Choreographien, in anderer Stücken stoßen wir auf Kultfiguren wie Fred Astaire, David Bowie, John Travolta oder Papst Franziskus. Hier für eine erste Presseschau klicken: SZ17_Pressespiegel_20170531.

Die Idee zum Stück Clean City kam anlässlich der Wahlen 2012, als die Slogans „Säubert die Stadt“ und „Athen ausmisten“ der rechtsextremen Partei der „Goldenen Morgenröte“ zu Ausschreitungen gegen Migranten aufriefen. Die beiden griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris stellten daraufhin die Gegenfrage: Wer säubert eigentlich Tag für Tag die Stadt?
Für ihre europaweit gefeierte Produktion Clean City sammelten sie die Lebensgeschichten von fünf Migrantinnen aus Südafrika, Bulgarien, Russland, den Philippinen und Albanien, die als Reinigungsfrauen in Athen ihren Lebensunterhalt verdienen. Mit Witz und Chuzpe, selbstbewusst und ohne Umschweife erzählen Mabel, Rositsa, Fredalyn, Drita und Valentina auf der Bühne von Ausbeutung und Vorurteilen, von Rechtlosigkeit und Ohnmacht, aber auch von Stolz und Würde:

„Ich hatte von einer Agentur gehört, die Leute nach Athen bringt, und sagte zu meinem Mann: ‚Morgen früh gehe ich. Wenn du nicht den Mumm hast, die Familie zu ernähren, ziehe ich die Hosen an.’ Ich hielt die Armut nicht mehr aus. Dass ich kein Geld für die Bücher der Kinder hatte. Mein Mann kam an dem Morgen nicht mal zum Bus, um mich zu verabschieden. Es kam nur mein Sohn. ‚Mama, geh nicht, ich brauche dich’, sagte er. Als der Bus losfuhr, sah ich ihn hinter einer Säule weinen.“

„(Die Regisseure) komprimierten das Ganze zu einem großartigen Stück Gegenwart, einem Text über Globalisierung und Heimat, Sehnsucht und Familie, das Verschwinden der Mittelklasse und die Träume, die Europa noch immer für so viele birgt.“
Süddeutsche Zeitung, Axel Rühle

 

Für Kultfiguren und Sympathieträger des 20. und 21. Jahrhunderts interessiert sich das spanisch-österreichische Künstlerpaar Navaridas & Deutinger: Nach den Arbeiten über Barack Obama und Lady Diana steht in Pontifex nun Papst Franziskus im Fokus. Sie reagieren damit auf die geschickte mediale Inszenierung des höchsten Würdenträgers der katholischen Kirche. Vom US-Magazin Time zur Person des Jahres 2013 gekürt, twittert Papst Franziskus in neun Sprachen an seine sieben Millionen Follower. 2015 bringt er ein Musikalbum mit dem Titel Wake Up! heraus und landet damit auf dem Cover des Rolling Stone. Er polarisiert wie wenige seiner Vorgänger, doch worin besteht seine öffentliche Rolle dieser Person? Ist er ein Superheld? Ein neuer linker Hoffnungsträger? Oder doch eine konservative Marionette?

Videos zu ihren Arbeiten hier!

Fragen über Fragen

Die Sommerszene wirft ja dieses Jahr viele Fragen auf, unsere Art-Directoren von Beton – Gruppe für Gestaltung haben in einem rasanten Clip zusammengefasst, was so alles infrage steht.

 

Der Trailer zur Sommerszene 2017

Die ganze Sommerszene in knapp 2 Minuten

 

Jetzt Tickets kaufen und 25% sparen!

Das Ticketing für die Sommerszene hält wieder zahlreiche Ermäßigungen bereit, aktuell und noch bis 10. Juni kann man z.B. den FRÜHBUCHERBONUS in Anspruch nehmen. Das bedeutet 25% Ermäßigung, eine Karte für eine Vorstellung im republic kostet dann z. B. nur € 18.– statt € 24.–!

 

Für den wahren Fan der Bühnenkünste gibt es wieder einen Festivalpass: für € 98.– (€ 49.– für Schüler, Studierenden,…) kann man alle Vorstellungen des Festivals besuchen. Studierende, Schüler und Auszubildende unter 26 Jahren, Präsenz­ und Zivildiener sowie Menschen mit Behinderung erhalten gegen Vorlage ei­nes Ausweises eine Ermäßigung von 50 % auf den regulären Kartenpreis (Ausweis nicht vergessen). Für die Inhaber von Ö1, S-Pass, SN- und AK-Card gibt es 20% Ermäßigung auf den Normalpreis.

Und wer „Hunger auf Kunst & Kultur“ hat und Kulturpassinhaber ist, bekommt erhalten je eine kostenlo­se Eintrittskarte im Vorverkauf für die Vorstellungen im republic und im Schauspielhaus Salzburg (begrenzte Kapazität). Für alle anderen Vorstel­lungen erhalten Kulturpassinhaber Karten mit 50 % Ermäßigung zum Preis von12€bzw.8€. ( Kulturpasses und Lichtbildausweis nicht vergessen).

Ermäßigte Tickets sind nur im Vorverkauf und nur im oeticketcenter republic, Tel: 0662/843711 erhältlich.

Good to Know: Programmpräsentation mit Angela Glechner

Sie möchten mehr über die künstlerische Ausrichtung der diesjährigen Sommerszene erfahren? Sie wollen näheres zu den einzelnen Produktionen wissen? Sie benötigen noch zusätzliche Informationen, um Ihren individuellen Festivalkalender zusammenzustellen? Good to Know bietet allen Interessier­ ten die perfekte Gelegenheit, um sich einen detaillierten Überblick über die ausgewählten Stücke zu verschaffen. Intendantin Angela Glechner erzählt Ihnen Wissenswertes zu Inhalt, Ästhetik und Format der Gastspiele und eini­ ge Künstler des Festivals berichten über ihre Arbeitspraxis und laufende Pro­benprozesse. Zudem gibt es – ganz exklusiv – erste performative Kostproben der Sommerszene 2017 zu erleben.

Mi, 31. Mai, 19 Uhr, Kavernen 1595, Gstättengasse 27
Eintritt frei, Anmeldung unter info@szene-salzburg.net erbeten

Eröffnet wird die Sommerszene von Louise Lecavalier, gefeierte franko-kanadische Tanz-Ikone und ehemalige Frontfrau von La La La Human Steps, die mit ihrem aktuellen Stück Battleground nach Salzburg zurückkehrt: Inspiriert von Italo Calvinos Der Ritter, den es nie gab begibt sie sich mit dem Tänzer Robert Abubo und dem Musiker Antoine Berthiaume in ein Universum aus vibrierendem Tanz und pulsierenden Klängen. Mit diesem virtuos choreographierten und interpretierten Abend stellt Louise Lecavalier, die zuletzt 2012 mit So Blue bei der Sommerszene gastierte, wiederum ihre künstlerische Einzigartigkeit unter Beweis. Foto (c) Carl Lessard

Die rechtsextremen Parteien Europas wollen den Kontinent von Migranten „säubern“ – aber wer macht in Europa eigentlich sauber? In ihrem Theater des Realen gehen die griechischen Regisseure Anestis Azas und Prodromos Tsinikoris in dem europaweit umjubelten Abend Clean City Stereotypen auf den Grund und lassen sie von denjenigen neu definieren, die die eigentlichen Experten sind: die Reinigungskräfte Athens, weibliche Migrantinnen verschiedener Generationen, die aus ihrem Leben erzählen.

Die Techniken des Erinnerns thematisiert ohnetitel mit ihrem neuesten Projekt für den öffentlichen Raum: Gemeinsam mit dem Publikum begibt sich das Salzburger Netzwerk für Theater und Kunstprojekte in Gärten von Gestern zum Kommunalfriedhof. Dort erwartet die Zuschauer ein geführter Spaziergang mit einer Musikkapelle, zehn Grammophonen, fünfzehn lebenden Bildern und 213 Fotos, der auf poetische Weise unsere kollektive und individuelle Erinnerung inszeniert.